Abbildung 1: 3. zeigt einen Prolaps

Der Bandscheibenvorfall

Einen sonnigen guten Tag,

klar, unser aller Ziel ist elitäre Fitness und Gesundheit, aber ich will heute mal über ein Thema sprechen, dass uns alle betrifft, gerade weil es in unserer Gesellschaft fast schon eine Volkskrankheit geworden ist. Die Rede ist vom Bandscheibenvorfall. Ich kenne selbst viele die dieses Krankheitsbild aufweisen und habe viel mit Leuten gearbeitet, die sich in der Reha nach einer Bandscheiben-OP befanden. (Allerdings nicht Crossfit spezifisch mit ihnen trainiert sondern in präventiven Zentren bzw. Reha-Zentren) Ich musste leider feststellen, dass viele gar nicht wissen was genau eigentlich ein Bandscheibenvorfall ist. Aber ich finde es wichtig auch im Crossfit ein entsprechendes Wissen im Hintergrund zu haben, denn wir sind trotz gestärkter Rücken- und Bauchmuskulatur nicht mal so ungefährdet, was auch dieses Zitat von Dr.Gumpert zeigt:

Teilweise kommt es aber auch vor, dass bestimmte Sportarten zu Bandscheibenvorfällen führen.
Zu nennen wären in erster Linie Sportarten, die mit hohem Gewicht zu tun haben, wie z.B. Gewichtheber. Dabei wird innerhalb kürzester Zeit hohes Gewicht über die Wirbelsäule auf die Arme belastet. Zwar gibt es dabei spezielle Techniken, die das Gewicht auf der Wirbelsäule minimieren sollen, jedoch kann nicht verhindert werden, dass ein erheblicher Anteil auch auf der Wirbelsäule lastet. Auch schützen sich Gewichtheber mit einem speziellen Gürtel der eine Überbelastung der Wirbelsäule verhindern soll. Gefährdet für Bandscheibenvorfälle sind vor allem untrainierte Gewichtheber und Anfänger, die sich evtl überschätzen oder die die Verletzungsfolge nicht gut genug kennen.
Wird das Gewichtheben falsch durchgeführt und werden zu hohe Gewichtszahlen genommen, kann es auch zu einem akuten Bandscheibenvorfall kommen, der nicht über längere Zeit voranschreitet, sondern plötzlich eintritt.

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema zurück:

Was sind eigentlich Bandscheiben und wo sind die?

Bandscheiben befinden sich in unserer Wirbelsäule und sind knorpelige Verbindungen zwischen unseren Wirbelkörpern. Sie sind mit einer Flüssigkeit und einem so genannten Gallertkern gefüllt und werden von dem Anulus fibrosus, dem Faserring, umgeben. Bandscheiben wirken aufgrund ihrer Beschaffenheit als eine Art Stoßdämpfer, der in Verbindung mit der Wirbelsäule unsere Bewegungen abdämpft und somit überhaupt erst schmerzfreies Bewegen ermöglicht. Stellt euch mal vor bei jedem Schritt würde in den Wirbelkörpern Knochen auch Knochen treffen – ui, das wäre ekelhaft!

Und was ist jetzt ein Bandscheibenvorfall?

Sofern mit euren Bandscheiben alles paletti ist befindet sich der Gallertkern genau in der Mitte. Bei einem Bandscheibenvorfall verschiebt er sich aber und drückt in der Regel sehr schmerzhaft auf einen Nerv. Wir unterscheiden im Grunde 3 Arten von Bandscheibenvorfällen

1) Bandscheiben-Protrusion des Faserrings: Hier bleibt die Bandscheibe an sich intakt, aber der Gallertkern wölbt sich nach vorne und drückt auf den Faserring, der wiederum auf den nahe an der Wirbelsäule liegenden Nerv drückt.
2) Der Bandscheiben-Prolaps: Das ist der eigentliche und allgemein bekannte Bandscheibenvorfall. Hierbei tritt der Gallertkern bei seiner Vorwölbung sogar teilweise aus dem Faserring aus und drückt dauerhaft auf den naheliegenden Nerv. Veranschulicht wird das in Abbildung 1 im Punkt 3.
3) Und dann gibt es noch die Sequestration: dabei passiert das Gleiche wie bei einem Prolaps, nur dass der austretende Teil des Gallertkerns sich sogar gänzlich abspaltet.

Abbildung 1: 3. zeigt einen Prolaps

Die am häufigsten auftretende Version ist wie gesagt der Prolaps. Bei den Meisten passiert das im Bereich der Lendenwirbelsäule und oft drückt der Gallertkern dann auf den Ischiasnerv. Gut veranschaulicht wird das Ganze in dem Bild unten, das ich von Dr. Gumpert’s Website habe. 1. Zeigt den Wirbelkörper an sich, 2. ist eine Protrusion also eine Vorwölbung der Bandscheibe und 3. zeigt das Rückenmark. Im Punkt 4. seht ihr dann einen waschechten Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule

Der Bandscheibenvorfall

Ursachen des Bandscheibenvorfalls:

Bandscheibenvorfälle sind vor allem bedingt durch Schwäche und dadurch bedingte Risse des Faserrings. Der Anulus Fibrosus wird durch Fehl- oder Überbelastungen und Verschleiß schnell geschwächt und ermöglicht es dem Gallertkern so auszutreten. Man muss aber auch dazu sagen, dass dieser gar nicht erst austreten würde wenn nicht eine Fehlbelastung der Wirbelsäule aufträte, denn durch die unsachgemäße Bewegung wird der Gallertkern überhaupt erst in die eine oder andere Richtung innerhalb der Bandscheibe gedrückt. Besonders anfällig sind Menschen die unter Fettleibigkeit leiden und leider auch Schwangere. Das hat ganz einfach mit dem zusätzlichen Gewicht zu tun, das der jeweilige Mensch mit sich herumtragen muss/darf. Mindestens einer von beiden hat aber immerhin einen mehr als schönen Grund dafür!

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Und wie verhindert man den Quatsch?

Im Endeffekt gibt es kein Patentrezept um Bandscheibenvorfälle zu verhindern, aber man kann die Wahrscheinlichkeit enorm mindern, indem man einerseits die Bauch- und Rückenmuskulatur gut trainiert, sodass sie die Wirbelsäule entsprechend stützen kann und andererseits die orthopädisch korrekten Bewegungsmuster erlernt und konstant ausführt. Ich persönlich verstehe immer nicht wieso viele sich in der Box abquälen die korrekte Ausführung des Deadlifts zu erlernen, aber ihren Wasserkasten immer noch mit krummem Rücken hochheben. Achtet doch selbst mal darauf wie oft ihr doch noch irgendeine Alltagsbewegung mit krummem Rücken durchführt. Ich erwische mich meisten beim Aufheben meines Rucksacks 😉
Weiterhin solltet ihr, gerade wenn ihr sitzenden Tätigkeiten nachgeht, versuchen einen regelmäßigen sportlichen Ausgleich zum Beruf zu schaffen, aber das muss ich in dieser Community ja nicht weiter fordern 😉 Wer nicht regelmäßig trainiert liest aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht diesen Blog, nicht wahr?

Hmmm..meine kurze und laienhafte Zusammenfassung über den Bandscheibenvorfall ist mal wieder länger geworden als ich dachte, aber ich hätte noch viel mehr schreiben können. Ich denke ihr habt hier einen ganz guten Überblick und eine erste Einführung in die Thematik bekommen. Wer sich näher für das Thema interessiert findet u.a. in den untenstehenden Quellen weiterführende Literatur und zögert hoffentlich auch nicht seine Fragen direkt hier zu stellen.

Finish strong and keep a straight back
– Euer Art

 

P.S.: Noch mehr Infos, gerade in Bezug auf die Symptome und Behandlung des Bandscheibenvorfalles findet ihr auf „Bandscheibenvorfall Aktuell“

Quellen:

1.) www.dr-gumpert.de
2.) www.dr-gumpert.de
3.) Wikipedia
4.) www.hhp.de

  • http://www.personal-trainer-kiel.de/ Andre Leisner

    Hi Art,

    ein sehr spannendes Thema. Wie hier schon erwähnt, das ist
    ein sehr breitgefächertes Thema. Zum Beispiel bekommen Personen mit Skoliose
    sehr leicht einen Bandscheibenvorfall. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Im
    Studio selbst muss ich des Öfteren wegschauen, wenn sich ein Gewicht auflädt
    die er nicht mal mit einer Bewegung sauber heben kann. Seit 20 Jahren lebe ich
    mit meinen Bandscheibenvorfällen sehr gut. Krafttraining ist auch ohne weiteres
    möglich, wenn man weiß, worauf man achten sollte.

    Viele Grüße von einem Personal Trainer Kollegen
    André Leisner

    • Art

      HI André,

      vielen Dank für dein Feedback! Du hast leider recht, dass man sehr oft wegschauen muss. Leider lassen sich meiner Erfahrung nach gerade diejenigen, die es am meisten gebauchen könnten, nicht viel sagen.

      Finish Strong, Art

  • Steffen

    Hi Art,

    was du hier aufführst ist die theoretische Seite einer sehr stark mechanisch geprägten Denkweise über den Bandscheibenvorfall. Im klinischen Alltag sieht die Problematik doch etwas anders aus.
    Rückenschmerzen sind ein sehr komplexes Thema, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Dementsprechend differenziert muss man auch die Ursachen betrachten, beispielsweise weiss man, dass es keine Korrelation zwischen erhöhtem Körpergewicht und einem Bandscheibenvorfall gibt. Hinzu kommt, dass nicht jeder MRT diagnostizierte Bandscheibenvorfall auch einer sein muss. Hierfür gibt es klare Kriterien die einerseits einen bildgebenden Befund verlangen, allerdings müssen auch körperliche Befunde vorliegen, was sehr häufig so nicht praktiziert wird.
    Falls du Interesse daran hast, kann ich dir gerne weitere Infos zukommen lassen.

    Viele Grüße,
    Steffen

    • Art Claas van der Heide

      HI Steffen,

      vielen Dank für die Aufklärung. Ich bin wie gesagt kein Mediziner oder Physio und habe versucht das Thema in einfacher Form aufzubereiten, um die Allgemeinheit ein bisschen dafür zu sensibilisieren und wenigstens rudimentär darüber zu berichten was ich aus meinen Quellen so herauslesen konnte.
      Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir weitere Infos zukommen lassen würdest! Gerade dieses Thema sollte doch öfter angesprochen werden und verdient eine intensivere Auseinandersetzung 😉

      VG, Art

      • Steffen

        Finde es super, dass du dich als Personaltrainer mit einer solchen Materie auseinander setzt, machen sicherlich nicht viele. Schreib mich doch bitte privat an (email müsstest du haben?) worüber du genauer Infos haben möchtest. Dann kann ich dir gerne was zukommen lassen, oder einen kleinen Artikel schreiben.

        Viele Grüße
        Steffen

        • Art Claas van der Heide

          HI Steffen,

          super vielen Dank, das werde ich tun 😉

  • http://www.facebook.com/ken.santana Kody GüGü

    ich finde, dass die crossfitt-anfänger in kürzester zeit versuchen viel zu viel gewicht zuheben, zustemmen. diesen blog sollten sich die crossfittrainer mal anschauen. wir haben in userer box 3 leute, die davon betroffen sind.

    • Art Claas van der Heide

      Hi Kody,

      da hast du wohl leider recht! Vielen geht der Ehrgeiz gerade zu Beginn ziemlich durch. Du darfst ihnen diesen Blog gerne weiterempfehlen. Ich hoffe, dass es dennoch dem ein oder anderen ein bisschen die Augen öffnet!