FASZI-Nation Faszien – BLACKROLL® Mastertrainer Seminar 2015

Vom 16.-18.10.2015 fand im Quest Club Rosenheim das BLACKROLL® Mastertrainer Seminar unter der Leitung von Dr. Lutz Graumann statt. Und einer der von den umfangreichen Inhalten und neuen Bekanntschaften überwältigten Teilnehmer durfte ich sein. Das Mastertrainer Seminar war wirklich ein beispielloses Wochenendseminar. Zu den Inhalten gehörten neben dem „normalen“ BLACKROLL® Trainer Kurs, wie ihr ihn ebenfalls besuchen könnt (ab jetzt dann auch bei mir :-) ) tiefere Einsichten in die Behandlungsform FDM (Faszien Distorsions Modell) im Rahmen von BLACKROLL® MED, das neue Group Fitness Konzept X-ROLL das Gruppenfitness mit der BLACKROLL® vereint, die sinnvolle Verbindung von Yoga und dem Rollen, sowie Best Practices aus aller Herren Länder. Und ich meine wirklich aus aller Herren Länder.

Wir hatten Teilnehmer aus Südkorea, China, Japan, Israel, Spanien, Frankreich, den Kanaren und natürlich aus Deutschland. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwelche Länder dabei glatt vergessen habe, aber es war super interessant, insbesondere da die traditionellen Aspekte im Umgang mit der Gesundheit so eine weitere Rolle auf diesem Seminar gespielt haben. So konnten wir z.B. von den Chinesen viel über die Reflexologie erfahren, also das Arbeiten mit Druckpunkten auf den Fußsohlen, das wir ja auch mit der BLACKROLL® bzw. dem Mini Ball teilweise ausüben. Nur sind die Chinesen eben wesentlich weiter was den Sinngehalt dieser Behandlungsmethode angeht. So wusste ich z.B. nicht, dass ein Schmerz auf der Innenseite der Fußsohle, nahe am Fußgewölbe, stellvertretend für Probleme im LWS (Lendenwirbelsäule) Bereich steht. Für mich tat es bisher einfach nur gut den entsprechenden Bereich zu triggern.

Alle Inhalte des Seminars in einem Blogartikel aufzuarbeiten würde absolut den Rahmen sprengen. Dabei kämen wir bei Buchlänge raus und das möchte ich euch nicht antun. Ihr werdet in Zukunft in der gesteigerten Qualität aller Artikel von meinem neuen, noch tieferen  Wissen und Verständnis konstant profitieren. Was ich aber teilen möchte sind die zwei grundlegenden Erkenntnisse, die jeder Sportler in Bezug auf Sport und Faszientraining und –struktur meiner Meinung nach haben sollte.

1.Der Dreiklang des Menschen

Der Dreiklang des Menschen Quelle: BLACKROLL® Training Manual
Der Dreiklang des Menschen
Quelle: BLACKROLL® Training Manual

Bewegung hat für uns Menschen immer einen evolutionären Mehrwert gehabt und hat es auch bis heute noch. Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass sich unser Hirn nur aufgrund unserer komplexen Bewegungsformen so gut entwickelt hat. Der Dreiklang des Menschen beruht daher auf der Bewegung und gliedert sich in die drei Teile
– Schmerz
– Haltung
– Funktion

Wenn eines dieser Teile positiv oder negativ beeinflusst ist, dann reagieren die anderen beiden automatisch.
Nehmen wir als Beispiel einen Büroarbeiter, der in seiner Freizeit gerne surfen geht. Leider ist ihm dies nur im Urlaub möglich, da er den Münchener Eisbach zu kalt und zu krass findet und das Meer leider ein bisschen weit weg ist. Wir wissen ja „Sitzen ist das neue Rauchen“ und wer viel sitzt, der hat nicht nur unbewegliche Hüften sondern oft auch das Problem, dass durch unsere wundervolle „Desktop Position“ bei der die Schultern nach vorne hängen, der Muskeltonus (Spannung) in der Brustmuskulatur steigt. Dadurch laufen wir dann auch oft in einer nach vorn gebeugten Haltung statt in einer aufrechten. Wenn dieser Bürohengst nun surfen geht und auf dem Brett liegend versucht dieses durch Ruderbewegungen in die Welle hinein zu beschleunigen, dann kreiert er immer ein funktionelles Impingement in der Schulter. Das bedeutet, dass er aufgrund mangelnder Bewegungsfreiheit immer wieder den Humerus (Oberarmknochen) gegen das Schulterdach drückt, da die beiden Teile nicht in der Haltung sind in der die Natur sie eigentlich gern hätte. Dadurch entsteht in der Bewegung ein entsprechender Schmerz, der wiederum die Funktion „Ruderbewegung“ in unserem Schultergelenk einschränkt. Der Dreiklang-Anteil „Haltung“ hat also durch seine negative Ausprägung auch die anderen beiden negativ beeinflusst. Ist unser Protagonist nun wirklich Otto Normalverbraucher, dann wird er irgendwann nur trocken feststellen dass surfen ihm in der Schulter weh tut und er wohl zu alt dafür geworden ist. Für ihn folgerichtig wird er damit wahrscheinlich aufhören zu surfen. Dabei wäre es so einfach die Brustmuskulatur zu detonisieren, indem man mit BLACKROLL® Produkten wie dem Mini Ball die Strukturen wieder weich macht. Gut, dass alle Leser dieses Artikel also diesem Problem schon nicht mehr verfallen!
2. Mangelnde ROM

Das Haltungsproblem ist oft durch eine mangelnde Bewegungsamplitude (ROM = Range of Motion) bedingt. Oft hören wir dabei den Satz „Meine Muskeln sind so verkürzt“, aber das ist Unfug. Muskeln, das wissen wir mittlerweile, sind elastisch wie ein Gummiband. Das heißt sie kommen immer wieder in ihre Ausgangsform zurück. Verkürzen können sie in diesem Sinne nicht. Restriktionen der RoM sind daher eher im Kopf oder im Bindegewebe (aka Faszien) zu finden, denn letztere sind plastisch und können daher durchaus verkleben, wenn sie verletzt oder zu wenig verwendet wurden. Das kann man sich vorstellen, wie ein Seil mit Knoten drin, welches durch die Knoten an Länge einbüßt. Werden diese Knoten durch das teilweise schmerzhafte Behandeln mit der BLACKROLL® gelöst, können die Faszien wieder ihre volle Länge einnehmen. In Verbindung dazu sind dynamische Dehn- und Mobilisationsübungen unschlagbar, wie wir sie beispielsweise im Yoga finden.

Okay, das mit den Faszien ist also klar, aber Restriktionen die im Kopf liegen? Wie jetzt? Ich weiß, es klingt erst einmal komisch, aber auch unser Gehirn kann für fehlende Beweglichkeit verantwortlich sein. Wenn wir uns wenig in bestimmte Positionen begeben, wie es zum Beispiel bei den meisten Erwachsenen mit dem tiefen Squat ist, dann stellt unser Hirn eine automatische Barriere ein aber der es mehr Schmerzrezeptoren anfeuert. Ab einer bestimmten tiefe/Bewegung wird uns also „Schmerz“ signalisiert, obwohl er nicht da sein sollte. Folgerichtig gehen wir nicht tiefer in diese Bewegung hinein, obwohl unsere Muskeln es durchaus könnten. Das ist im übrigen auch der Ansatz mit dem Pavel Tsatsouline in seinem Buch „Relax Into Stretch“ arbeitet.
Grundlegende Erkenntnis 2 ist also: Muskeln sind in aller Regel nicht das Problem bei eingeschränkter Beweglichkeit sondern vielmehr die klebrige Masse zwischen unseren Ohren oder das Bindegewebe um unsere Muskeln.

 

Wow, selbst meine „gekürzte“ Version des Seminars ist wahnsinnig lang geworden J Wie versprochen werdet ihr schon bald neue Tutorials zu den BLACKROLL® Übungen und weitere Hintergründe in den Blogartikeln zu sehen und zu lesen bekommen. Bis dahin könnt ihr in aller Ruhe die beiden für mich grundlegenden Erkenntnisse verdauen.

Finish strong,

euer Art