Genesungstagebuch Tina Mirus

Wer kennt es nicht? Verletzt war jeder von uns schon einmal, nur geht jeder anders damit um. Den einen treibt es auf die Couch und er entdeckt die neu gewonnene Ruhephase für sich, der nächte hat das Gefühl zu „verweichlichen“ und nichts mehr gebacken zu bekommen und wieder andere scheinen einfach weiter zu trainieren als sei nichts. Bei dem ein oder anderen mag das medizinisch wirklich fraglich sein, denn das kommt auf die Art und Schwere der Verletzung an, aber im Grunde ist es der korrekte Ansatz: Wenn ich einen Teil wegen Verletzungen nicht trainieren kann heißt das nicht, dass ich damit aufhören kann besser zu werden. Im Gegenteil, es ist eine Chance an den anderen Körperpartien zu arbeiten. Eine Persönlichkeit der deutschen CrossFit Szene hat uns in diesem Sinne inspiriert: Tina Mirus. Wer Tina kennt weiß, dass es ohne den Sport für sie nicht mehr geht. (Verständlich!) Und der weiß auch, wie hart der Rückschlag für sie war als sie sich verletzte. Was Tina daraus macht und wie sie mit ihrem „Problemchen“ umgeht erzählt sie euch ab heute selbst und aktuell – besser als jeder Tweet – hier auf dem Suprfit Blog in ihrem wöchtenlichen Genesungstagebuch. Wir hoffen, dass sie damit noch einige anderen Verletzte Mitsportler inspirieren kann und von dem ein oder anderen eventuell sogar noch einen Tipp bekommt und so hoffentlich bald wieder auf den Strümpfen ist um fleißig weiter Gewichte zu stemmen.

In diesem Sinne, Tina, überlasse ich dir das Wort und wünsche dir nochmal alles Gute und gute Besserung!
Finish Strong, Art

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Tina Mirus beim Training
Tina Mirus beim Training


Genesungs-Tagebuch von Tina Mirus, CrossFit Athletin, CrossFit Stuttgart

Jeder Sportler kennt’s…Verletzung…was nun?

Sonntag, 13.04.2014
Am Sonntag dem 13.04. 2014 um 12.00 Uhr ist es passiert.
Blöd aufgetreten, rechtes Knie verdreht, ein Geräusch, das ich wirklich dachte „mein Knie ist tot“ omG…und jetzt?
Nach einer kurzen Schmerzphase konnte ich mein Bein ganz normal benutzen. Nichts blau, nichts dick und es tat nichts weh…das war schon sehr mysteriös.
Nach Rücksprache mit meinem Doc (ja Sonntags) habe ich gekühlt, was das Zeug hält.

Montag, 14.04.2014
Ok – das MRT hat es dann auf den Punkt gebracht. Alles super nur das vordere Kreuzband hat was abbekommen (weitestgehend durch)!
Ich find immer noch, dass ich Glück hatte und die vorhandene Muskulatur sicher schlimmeres verhindert hat.

Dienstag, 15.04.2014 / OP-Tag
„Zufällig“ hatte Doc noch einen OP-Termin am Dienstag, 15.04.2014, um 13.00 Uhr. Und ich wusste genau was Kreuzband-OP bedeutet. Mein linkes Knie ist gezeichnet von zwei Operationen dieser Art.
Bereits um 19.00 Uhr am gleichen Tag Entlassung nach Hause…sehr wackelig…und ich hasse es wenn mein Körper die Funktionen nicht so ausführt wie er es kann und soll.
Die Orthese ist auf 0 Grad eingestellt und es gibt Krücken.

Mittwoch, 16.04.2014 / 1. Tag nach der OP

Ich habe keine Schmerzen – gut! Erste Schritte ohne Krücken – etwas wackelig aber in Ordnung. Termin beim Doc, die Drainage kommt raus. Ich hatte schlimme Erinnerungen daran, aber die Arzthelferin hat es fast schmerzlos hinbekommen.
Am Abend erster Besuch im Gym. Training würde ich es nicht nennen – ist in meinen Augen sehr wichtig unter Leute zu gehen und auch das zu tun, was einem gut tut.

Wer braucht schon Knie zum Training? ;-)
Wer braucht schon Knie zum Training? ;-)

Donnerstag, 17.4.2014 / 2. Tag nach der OP
Meine CPM-Bewegungsschiene ist eingetroffen. Der gute Mann von DJO hat sie mir auf 70 Grad eingestellt – schmerzfrei.
Zur Zeit bekomme ich Lymphdrainage. Diese leichte Massage hilft wohl tatsächlich.
Aber, was macht denn die Lymphe…?
Die Lymphe ist ein System von Gefäßbahnen im Körper, welches für den Abtransport von Schlacken und Giftstoffen verantwortlich ist. Vor allem bei Verletzungen oder nach Operationen sammelt sich viel Wasser im Lymphsystem und im Bindegewebe, das abtransportiert werden muss.
Nach Knieoperationen ist besonders die Region um das Knie am Oberschenkel und Unterschenkel betroffen.
Das Lymphsystem verfügt nicht über eine eigene Muskulatur. Muskeltätigkeit, Atmung und Bewegung verursachen den Wechsel von Unterdruck und Überdruck, der die Lymphflüssigkeit im Fluss hält. Somit elementar für den Transport der Lymphe ist.
Wenn unmittelbar nach einer Operation die Bewegungsmöglichkeiten noch eingeschränkt sind, dann können leichte Massagen zur Lymphdrainage am Knie Über- und Unterdruck in der Lymphe erzeugen. Also unbedingt zu solchen Anwendungen wahrnehmen!

Doch diese Thrombosespritzen jeden Morgen und diese sexy Socke grrrrr…aber es hilft nichts…eine Thrombose wäre jetzt noch das allerschlimmste. Schmerzfrei sein ist das wichtigste – das bin ich. Aber es strengt alles irgendwie mehr an als sonst. Ich spüre, wie hart mein Körper arbeiten muss und mir ist bewusst, dass mein Körper gerade Höchstleistungen vollbringt. Passend zu Ostern ist auch mein Bein ganz bunt…es hat alle Farben und die Taubheit lässt nach, was sich sehr unangenehm anfühlt.

Samstag, 19.04.2014 / 4.Tag nach der OP
Heute ist ein komischer Tag, ich denke das hat etwas mit dem Sport vom Vortag zu tun. Es hat mich sehr angestrengt…Rest-Day. Das Laufen ohne Krücken funktioniert hervorragend.
Trotzdem mache tatsächlich langsam, ich bin achtsam, auch wenn es nicht so scheint.

Heute hatte ich das erste Mal ein bisschen Schmerzen, warum…weil ich mein Bein tagsüber nicht hoch gelagert habe. In Bewegung bin ich, aber Ruhephasen muss ich einhalten, sonst bekomme ich die Quittung am Abend.

Montag, 21.04.2014 / 6.Tag nach der OP
Der heutige Tag ist recht unspektakulär, keine Schmerzen – sehr gut.
Der Bluterguss ist in die Wade verlaufen aber das Knie ist kaum dick und nur ein bisschen warm (Intervall – kühlen – tut gut und ist sinnvoll).
Es ist Montag & Training-Time…für heute hatte ich mir Bankdrücken vorgenommen…
Ich bin etwas erschrocken, was meine Kraft angeht. Die 50kg auf der Bank habe ich mit Ach & Krach geschafft, da bin ich aber anderes gewöhnt. Traurig bin ich nicht darüber, da ich weiß, dass mein Körper gerade andere Aufgaben hat.

Mittwoch, 23.04.2014 / 8. Tag nach der OP

Die Feiertage sind rum, ich bekomme kurzfristig eine Lymphdrainage und ein Feedback vom Physio. Klar, die erste Frage war, wo sind die Krücken – und wann bitte schön war die OP? Dann kommt: „Du bist verrückt!“. Dann schaut er das Knie an und sagt „Krasser Scheiß! Weiter so, aber langsam!!!“. Alle glücklich – und ich erst.

Meine Passivschiene habe ich mittlerweile auf 80 Grad eingestellt – schmerzfrei.
Im Training habe ich mal versucht mich auf das Fahrrad zu setzen, es blieb beim sitzen. Dafür brauche ich 110Grad, die habe ich noch nicht.
Heute auch Termin beim Doc – ich bin wirklich gespannt, was er sagt.
Offiziell darf ich die Krücken seit Samstag weglassen, d.h. ich bin ohne zum Doc. Kein Mecker…also alles gut.
Er ist ein Mann der polarisiert – aber er ist für mich der Beste, der aller Beste. Er schimpft auch mal mit mir, wenn es nötig ist oder redet mir ins Gewissen. Aber er weiß genau, dass mein Herz am Sport hängt…
Verbandswechsel ist angesagt – mein Knie sieht aus wie eine getackerte Wurst. Spritze in den Popo…eine Freude für die Arzthelferin.

18.00 Uhr ist Trainingszeit! Ja die Trainingsregeln gelten auch wenn ich verletzt bin. Es gibt keine Ausnahme (nur bei Erkältung etc.). Und es war ein klasse Training.

Wie habe ich denn meine Trainingsroutine angepasst?

Kettlebelltraining geht nach wie vor!
Kettlebelltraining geht nach wie vor!

Natürlich ist es einfach zusagen: „Jetzt mach halt PullUps und so“. Aber so einfach ist das nicht. Ich versuche weiterhin Oly-Lift-Techink zu trainieren. Dazu gehört z. B. Musclesnatch, Shoulderpress. An die Klimmzugstange wollt ich mich hängen…was ist aber, wenn ich unkontrolliert runter muss?
Also Keine PullUps sondern Lattzug. BackExtention gehen auch nicht richtig, weil das Knie aufliegt. Dafür kann ich Goodmornings machen. Und natürlich meine geliebten KB-Übungen (in allen Variationen). Core- und Tricepsübungen ergänzen das Ganze. Heute werde ich mich an WallBall Shots versuchen…ohne Squat versteht sich.

Die erste Woche ist rum…es sind viele Tränen geflossen und werden sicher auch hin und wieder fließen. Doch zu sehen, welche positive Auswirkung regelmäßiger Sport auf den Organismus hat, ist phänomenal. Angefangen bei der Narkose bis hin zur Genesung.

Nächstes großes Ziel steht Dienstag auf dem Plan, da kommen die Klammern raus.

Viele liebe Grüße
Tina