Interview Simon Weig – Elite-OCR-Läufer

Wer bist du, was ist deine sportliche Herkunft und wie kommst du zum CrossFit/ OCR?

Hallo mein Name ist Simon Weig, ich bin 27 Jahre alt und wohne in München. Meine sportlichen Wurzeln liegen im Judo, was ich die letzten 20 Jahre teilweise auf Bundesliganiveau betrieben habe. Letztes Jahr wollte ich dann etwas neues ausprobieren und passend dazu fand das erste Spartan Race in Deutschland in München statt. Am Mittwoch vor dem Rennen beschlossen ein Kumpel und ich daher spontan daran teilzunehmen. Das Rennen war wie ein Kindheitstraum. Einfach mal im Matsch spielen ohne das einen jemand schief anschaut.

Simon Weig OCR

Mir hat das Rennen in München so viel Spaß gemacht, dass ich mich gleich danach zu einem weiteren Rennen in Tschechien angemeldet habe. Seitdem bin ich nun regelmäßig bei sog. Obstacle Course Races (OCRs) am Start.
Bei dem Spartan Race in München lernte ich auch einen Athlet von CrossFit Joule – Kraftwerk München kennen. Im Gespräch kamen wir auf CrossFit zu sprechen, dass er mir derart schmackhaft gemacht hat, dass ich in der nächsten Woche zum Probetraining zum Kraftwerk München bin und seitdem regelmäßig dort trainiere.

Wo siehst du die Gemeinsamkeiten zwischen OCR & CrossFit?

CrossFit besitzt ja das Motto „be prepared for the unknown“. Das beschreibt meiner Meinung nach beide Sportarten perfekt.
Jedes WOD ist anders. Es gibt Standardübungen, die zu jeder Einheit dazu gehören wie Snatch oder Clean. Das WOD wird aber jeden Tag neu zusammengestellt, weshalb man vor dem Training oder dem Wettkampf nie sagen kann, wie das nächste WOD wird.
Genauso ist es bei OCRs. Das Laufen ist das A und O, die Hindernisse und das Terrain bilden die Überraschungsmomente. Es gibt sicherlich einige Hindernisse die sich häufig in Rennen wiederholen, wie beispielsweise Monkeybars oder Barbwire-crawl. Doch die Integration in die verschiedenen Umgebungen, macht daraus jedes mal eine neue Herausforderung.

Simon Weig OCR Hangeln

Zudem gibt es Übungen die ähnlich oder sogar gleich in beiden Sportarten sind. Eine Mauer zu überqueren ist vereinfacht gesagt, eine Kombination aus einem Strecksprung an die Kante der Mauer und einem Muscle-up über die Kante. Der Farmers Carry ist z.B. in beiden Sportarten gleichermaßen vorhanden.

Wie sieht dein momentaner Trainingsalltag aus?

Momentan bereite ich mich auf die unabhängige Hindernislauf Weltmeisterschaft Mitte Oktober in den USA vor. Aus diesem Grund liegt mein Trainingsfokus v.a. auf Lauf- und Konditionseinheiten. Ich gehe aktuell vier mal die Woche laufen und mache zwei mal CrossFit. Der Regenerationstag wird je nach Belastung spontan eingelegt.
Bei den Laufeinheiten handelt es sich neben Bergläufen und Intervallläufen, um Ausdauerläufe mit verschiedenen Längen und Intensitäten. Der Schwerpunkt bei den CrossFiteinheiten liegt bis zur WM auf der Beinkraft und auf Gymnastic-Übungen wie Pull-ups und Muscle-ups um die Griffkraft und den Oberkörper zu stärken.

Welche Rolle spielt CrossFit in der Vorbereitung auf die OCR WM?

Wie bereits angesprochen nutze ich CrossFit um meine Beinkraft zu stärken. Bei der WM werden viele harte Anstiege und einige Hindernisse mit schweren Gegenständen auf mich warten. Hierfür ist es wichtig genügend Kraftausdauer in den Beinen zu haben. Für die Stärkung der Beinkraft nutze ich jegliche Arten von Kniebeugen oder Lunges, wobei mein momentaner Fokus eher auf der Kraftausdauer als auf der Maximalkraft liegt.
CrossFfit bietet außerdem eine Vielzahl an Eigengewichtsübungen, die sich als perfekte Vorbereitung für viele Hindernisse eignen. Oft braucht man z.B die gleichen Muskelgruppen wie bei einem Pull-up oder einem Toes-to-bar.
Wie bereits angesprochen, kann man das Überqueren einer 3 m hohen Mauer als eine Kombination aus einem Sprung und einem Muscle-up sehen. Aber so einfach ist es dann oft nicht. Wenn man die ersten Berge und die ersten schweren Hindenisse in den Beinen hat, werden die Sprünge niedriger und es fällt einem immer schwerer sich über die Mauer zu ziehen.

CrossFit Kraftwerk

Aus diesem Grund versuche ich bei den Gymnastic-Übungen entweder die Wiederholungsanzahl hoch zu halten oder sie im Anschluss an ein hartes WOD zu trainieren. Zudem stärkt man bei fast allen Gymnastic-Übungen die Griffkraft, welche auch eine ausschlaggebende Größe bei der WM sein wird.
So oft es möglich ist versuche ich all diese Muskelgruppen mit einer Übung oder einem WOD zu kombinieren. Eine meiner Lieblingsübung, um sowohl die Griffkraft als auch die Beine zu trainieren, ist es eine 10 kg oder 15 kg Hantelscheiben am oberen Rand in den Händen zu halten und Lunges oder Box-step-ups zu machen.
Die täglichen WODs finde ich eine ausgezeichnete Möglichkeit, einen gewissen Wettkampfcharakter in familiärer Umgebung in das Training zu integrieren. Ich mag es mich mit anderen zu messen und sich gegenseitig zu pushen. Ich muss aber gestehen, dass ich ein schlechter Verlierer bin. Daher gehe ich in den WODs meistens an oder über meine Leistungsgrenze, mit dem Ziel besser zu sein als meine Trainingspartner. Auf diese Weise kann ich in jedem Training meinen Willen und mein Durchhaltevermögen auf ein Neues unter Beweis stellen.

Was kannst du den CrossFittern als Tipp mit auf den Weg für ein OCR geben und warum sollte jeder CrossFitter an einem OCR teilnehmen?

Ich denke, dass OCR eine der wenigen Sportarten ist, die die Fitness so umfänglich testet wie CrossFit. Jeder der daher wissen will, ob er in allen Bereichen sei es Ausdauer, Kraft oder Geschicklichkeit fit ist, sollte einmal an einem OCR teilnehmen.
Mein Tipp für alle CrossFitter in der Vorbereitung ist dann: unterschätzt das Laufen nicht! Grundsätzlich sollte das Laufen bei einem OCR für keinen CrossFitter ein Problem darstellen, doch werden die Läufe länger als 50 min, dann habe ich die Erfahrung gemacht , dass die meisten WODs zu kurz als Vorbereitung für solche Läufe sind. Von daher empfehle ich vorher ein paar längere Laufeinheiten in die Vorbereitung einzubauen.

-Vielen Dank für das interessante Gespräch