Reaktives Neuromuskuläres Training

Reaktives Neuromuskuläres Training wird extrem oft verwendet, aber kaum einer nennt das Kind beim Namen. Und das aus gutem Grund: kaum einer kennt den Namen. Das war einfach, ne? Dabei ist es so genial, dass jeder gute Coach diesen Begriff wenigstens mal gehört haben sollte.

Wir als Trainer verwenden diese Form oft wenn wir Bewegungsmuster korrigieren wollen. Leider sieht man die meisten unserer Zunft dabei, dass sie lediglich verbale Anweisungen geben wie „Knie raus“, „Rücken gerade“ oder „Ellenbogen hoch“. Das ist schön und gut, aber wenn wir uns vor Augen führen, dass unsere Sportler vielleicht für sich selbst die Wahrnehmung haben, dass ihr Rücken gerade und ihre Knie nach außen gedrückt sind, dann bringt das keinen von uns weiter. Die Eigenwahrnehmung jedes Menschen kommt über Sensoren im Körper, vor allem in den Muskelspindeln und wird weitläufig unter dem Begriff Propriozeption geführt. Auch das ist ein Begriff der wahnsinnig gehyped wird momentan, aber das auch aus gutem Grund, denn propriozeptives Training macht durchaus Sinn. Problematisch ist nur, wenn ein falsches Bewegungsmuster erlernt wurde.
Und jetzt wird es mal kurz ein wenig komplizierter: Unser Hirn ist ja in zwei Teile aufgeteilt. Das ist einmal der Sensorische Cortex (hier treffen Informationen der Sinneszellen der Körperoberfläche, Muskeln und Gelenke ein (Druck, Temp., Vibration, etc.)) und andererseits der motorische Cortex, der für die Planung willkürlicher Bewegungen und die Zusammensetzung einfacher Bewegungsmuster zu komplexen Bewegungen verantwortlich ist. Wenn dieser motorische Kortex einen Befehl an unser motorisches System raushaut, dann wird von diesem Befehl und dessen Ausführung immer eine Kopie, eine so genannte Efferenzkopie, im Kleinhirn gespeichert. Jedes Mal wenn wir nun die Bewegung wiederholen wird die neue Bewegung mit dieser „Blaupause“ im Kleinhirn abgeglichen. Das bedeutet also, wenn ihr die Kniebeuge mit nach innen fallenden Knien als „ok“ beigebracht bekommt, ist euer Körper immer der Meinung dass dies so sein muss bzw. so in Ordnung ist. Ihr versteht also gar nicht, was euer Coach meint mit „Knie raus“ die sind doch da wo sie hingehören.

Und da kommt das reaktive neuromuskuläre Training ins Spiel, das kurz RNT genannt wird. Hierbei wird eine propriozeptive Fehlhaltung verstärkt, sodass der Betroffene nun merkt: „Hoppla, da stimmt was nicht!“
Beispielsweise drückt ihr mit der Hand gegen seine nach innen fallenden Knie oder gebt ihm um beide Knie ein Miniband Loop, dass die Fehlhaltung verstärkt. Da das Band bzw. eure Hand nun nach innen drückt spürt euer Sportler jetzt, dass seine Knie nach innen kommen und kann aktiv dagegen arbeiten. So kann im Endeffekt nach einer Weile der Blueprint einer Bewegung, der im Kleinhirn vorher falsch abgespeichert war, sozusagen überschrieben werden. Die Bewegung wird also neu erlernt bzw. korrigiert erlernt. Ein gutes Beispiel für die Verwendung des Miniband Loops gibt das unten stehende Video:

Wenn das erst einmal geschehen ist, dann kann der Sportler die Bewegungen auch ohne die bisher nötige Hilfestellung dieses Soft Tools sauber durchführen. Kurz gesagt geht es beim RNT um das Prinzip spezifische Fehlstellungen in Bewegungen zu verstärken, um damit einen Reiz zu setzen, der den Athleten dazu veranlasst aktiv gegen seine Schwachstellen zu arbeiten und so die korrekte Bewegungsausführung zu erlernen. Es ist – wieder einmal – eine totale simple Art und Weise, die einen extrem hohen Effekt mit sich bringt. Und ich steh drauf mit geringem Aufwand extrem hohe Effekte zu erzielen :-)

Finish Strong,
euer Art