Was passiert in meinem Körper beim CrossFit?

CrossFit verändert dich! Ohne Umschweife und kontinuierlich. Es startet in dem Moment in dem du zum ersten Mal trainierst und hört einfach nicht mehr auf. Dein Körper ist in einem ständigen „Kampf“ um sich an die verschiedenen und fortwährend unterschiedlichen Anforderungen unseres Sports anzupassen. Das Herz arbeitet effizienter, die Muskeln werden stärker und der gesamte Körper drahtiger und trainierter. Der Körperfettanteil sinkt auf ein für dich und deine Anforderungen optimales Niveau. Aber wie geht das alles? Was passiert genau innerhalb unseres Körpers beim Training bzw. danach? Um die Vorgänge und die Auswirkungen des CrossFit Trainings zu verstehen müssen wir ein bisschen tiefer graben.

Man könnte sagen, dass es drei Stufen gibt, die unser Körper durchlaufen kann. Davon sollte er aber nur zwei durchlaufen. Die Alarmstufe und die Widerstandsstufe sind die „Guten“, die Erschöpfungsstufe ist die „Böse“. Da unser Körper konstant Stress ausgesetzt ist hat er auch einen Mechanismus um sich diesem anzupassen. Das gilt nicht nur für physischen Stress wie Sport sondern auch für psychischen Stress wie langes Auto fahren, Meetings, lernen, Diskussionen etc. Wir betrachten aber hier nur den physischen Stress, der durch unser Training auferlegt wird. Ganz grob gesagt setzen wir unseren Körper im Sport einem Stressfaktor aus an den er nicht gewöhnt ist und zwingen ihn so sich durch das generelle Adaptionssyndrom (GAS; General Adaptation Syndrome) dieser ungewohnten Situation anzupassen, um ihr nicht noch einmal schutzlos ausgeliefert zu sein. Dabei durchlaufen wir eben diese drei Hauptstufen:

  1. Die Alarmstufe
    In der Alarmstufe befinden wir uns im eigentlichen Training. Wie oben schon beschrieben erfährt unser Körper hier eine Stressform derer er nicht komplett gewachsen ist. Man denke alleine mal an seinen ersten Thruster. Also wenn das keine ungewohnte Sache war…Durch diesen Stressfaktor werden alle beteiligten Zellen, inklusive der Muskelzellen, dazu aufgerufen ihren Hintern hoch zu kriegen und den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Also ziemlich ähnlich zu einem neuen großen Projekt das auf der Arbeit ansteht – kaum ist es da muss man sich schon weiterentwickeln um den Forderungen des Chefs gerecht zu werden. Im Sport sieht das dann für die Muskelzellen so aus, dass sie verletzt werden. Das führt zu einem Abbau der Zellmembranen und zu zu Schwellungen. Resultat: du läufst ziemlich wie auf Eiern herum, weil dein Muskelkater aka Delayed Onset Muscle Soreness (DOMS) ganz ordentlich ist. Treppen? Heute vielleicht nicht?!
  2. Die Widerstandsstufe
    Innerhalb der kommenden 36-48 Stunden – je nach vorherigen Trainingsinentsität – beruhigt ich unser Körper wieder und verlässt die Alarmstufe während der Muskelkater langsam zurückgeht. Er hat die entstandenen „Gefechtsschäden“ jetzt grob abgeschätzt und kann aktiv werden. In der jetzt eintretenden Widerstandsphase arbeitet er an der Reparatur der Schäden und macht sein eigenes Konstrukt noch robuster, um zukünftig der eben erfahrenen Herausforderung gewachsen zu sein. Diese Vorgehensweise nennen wir Superkompensation. Unser Körper kompensiert also Schäden über ein vorheriges Niveau hinaus. Das ist eine ziemlich logische Vorgehensweise. Wenn wir bspw. auf eine Radtour gehen und genau bei 100km Entfernung von der Haustür einen Platten bekommen – so ganz ohne Hilfsmittel, die wir natürlich zu Hause gelassen ahben, dann werden wir diesen Fehler bestimmt nicht wiederholen. Viel lieber nehmen wir das nächste mal eine kleine Tasche mit in der wir eine kleine Luftpumpe und Flickzeug haben. Richtig? Oder nehmen wir ein kleines Drahtseil, das einen Gegenstand halten soll. Ist es zu dünn dafür und reißt, dann fügen wir beim nächsten Mal einfach ein paar Drahtseilen mehr hinzu und schon dürfte das Ganze halten.
    Während der Widerstandsphase baut sich also sozusagen der innere Widerstand gegen Aggressoren von außen auf. Und unsere Muskelzellen, die kleinen Widerstandskämpferer, bauen eben nicht nur bis zu ihrem vorherigen Level auf sondern ein Stückchen darüber hianus.

    Um das zu erreichen nutzen die Zellen insbesondere Proteine und bauen sie in die vorhandenen Mikrofilmente ein, die wir zur Muskelkontraktion benötigen. Am Ende dieses Prozesses – der gut und gerne 3-4 Tage dauern kann – ziehen an unseren Sehnen ein paar Mikrofilmente mehr – ganz so wie bei dem Drahtseil, dass wir verdickt haben –  und das führt zu mehr Krafterzeugnis und steigernder absoluter Kraft auf deiner Seite. Durch dieses Bestreben des Körper immer das Gleichgewicht (Homöostase) zwischen Anforderung und Möglichkeit aufrecht zu erhalten sind die nächsten Thrusters schon ein geringeres Problem.
  3. Die Erschöpfungsstufe

    Die Alarm- und Widerstandsphase sind unabdingbar, um besser, fitter und stärker zu werden. Wenn wir uns jedoch nicht genügend Pause gönnen, damit der Körper ausreichend regenerieren kann, dann laufen wir Gefahr in die böse Erschöpfungsstufe zu kommen. Hier dieser Stufe sind unsere Muskelzellen noch nicht ausreichend wiederhergestellt, und erfahren dennoch den nächsten krassen Trainingsreiz. Wir setzen also auf eine noch kaputte Zelle einen neuen Anschlag an und zerstören sie so mit der Zeit. Meistens geschieht das durch zu intensive Trainingseinheiten, eine zu hohe Frequenz zwischen Einheiten (aka zu wenig Pause) oder zu häufige sehr intensive Einheiten. Gegen aktive Erholung ist ja auch bei Muskelkater nichts auszusetzen, aber direkt wieder ein Benchmark WOD raushauen wenn ich mich von gestern kaum bewegen kann ist nicht unbedingt sinnvoll.
    Erste Anzeichen von solch einem Übertraining sind schlechtere WOD-Zeiten. Wer trainiert und trainiert aber immer langsamer wird, der sollte mal pausieren. Pause ist keine Faulheit sondern unabdingbarer Teil des Verbesserungsprozesses.
    Um nicht auf diese dunkle Seite der Macht zu rutschen und gleichzeitig zu verstehen wie CrossFit unsere körperliche Leistungsfähigkeit verbessert solltet ihr drei Dinge beachten. Erstens: wie jetzt schon oft erwähnt: ausreichend pausieren und dabei auf euren Körper hören. Zweitens auf die Ernährung achten, sodass der Körper während der Widerstandsphase ausreichend Aminosäuren in seinem Kreislauf hat, um die Mikrofilmente zu erneuern und sich zu regenerieren. Und drittens den Körper immer anderen Herausforderungen aussetzen. Das ist der Diamant in unserem CrossFit Mantra. Ständige Variation der physischen Herausforderung. Sieh dir jemanden an, der seit Jahren in ein Fitnessstudio geht und an den immer selben geraten trainiert und ich zeige dir jemanden, der sich seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt hat, weil sich der Körper auf eben diese Stressfaktoren eingestellt hat.
    CrossFit hat keinen Spielraum für solch eine Stagnation. Die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System eines CF Athleten müssen sich jeden Tag an etwas Neues gewöhnen. Das führt zu einem Ausgangspunkt an dem unsere Zellen gar keine andere Wahl haben als sich kontinuierlich anzupassen. Wenn das mal nicht sinnvoll ist…



    Wir haben uns jetzt also vor allem angesehen was mit unserer Muskulatur passiert. Wenn wir schon einmal dabei sind uns die Vorgänge innerhalb unseres Körpers anzusehen, dann kommen wir allerdings an der Arbeit des Herzens nicht vorbei. Schließlich wird nicht nur unsere Kraft sondern auch unsere kardiovaskuläre Ausdauer besser. Wäre ja auch doof, wenn wir ewig viel Kraft hätten aber unseren kraftvollen Körper nicht von A nach B bekämen ohne danach erst einmal die Widerstandsphase voll auskosten zu müssen. Kardiovaskuläre Ausdauer wird in der Wissenschaft gemessen, indem man sich anschaut wie viel Sauerstoff ein Sportler während intensiver Belastung verwenden kann. Das nennt sich VO2max – die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit. Sie wird ausgedrückt in ml Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht pro Minute (ml/kg/min). Da das Körpergewicht ein unabdingbarer Faktor hierbei ist kommt es nur logisch rüber, dass wir unsere Ausdauerleistungsfähigkeit auch steigern können, wenn wir ein paar Kilo verlieren. Wie gut, dass CrossFit dem so gut hilft. Der Drang des Körpers in die Homöostase zu kommen führt nämlich dazu, dass wir einen guten KFA (Körperfettanteil) erreichen. Zu wenig Fett am Körper würde uns unzureichende Energiespeicher bei langen Belastungen zur Verfügung stellen, während ein zu hoher KFA uns einfach nur durch unnötigen Ballast behindert.
    Abseits vom Körperfettanteil wird aber auch unserer VO2max erheblich durch CrossFit verbessert. Unser Körper lernt nämlich mit den arbeitenden Zellen mehr Sauerstoff aus dem Blutkreislauf zu ziehen. So kann dem Körper mehr ATP (Adenosintriphosphat) – der Stoff aus dem unsere Muskulatur hauptsächlich ihre Energie zur Kontraktion gewinnt – produzieren.  Auch die Fähigkeit den aufgenommenen Sauerstoff zu verwerten steigt erheblich. Dein Körper wird also wesentlich besser darin Sauerstoff aufzunehmen und diesen in der Energieproduktion umzusetzen.

CrossFit bringt uns also mehr als nur eine bessere Optik. Wir entwickeln uns äußerlich wie auch innerlich kontinuierlich weiter. Wir können besser und effizienter Energie gewinnen, Sauerstoff effizienter verwerten, verlieren Körperfett bis auf ein gewissen Maß und werden stärker und robuster. Der uns oft nachgesagte Hype hat also echt gute Gründe.

Finish strong,

euer Art



Artikel inspiriert durch Bob LeFavi's "Inside the Body as it CrossFits"